Über uns

Portraits: Aufsichtsratsmitglieder Ursula Marquetant und Peter Pfennigs verabschiedet

Heidelberg, 28.11.2019. Auf der Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Heidelberg haben Ursula Marquetant, 76, und Peter Pfennigs, 71, ihr Amt im Aufsichtsrat aus Altersgründen niedergelegt. Beide waren bereits in den 90er Jahren in die Führung der Lebenshilfe gewählt worden und wurden auf der Mitgliederversammlung für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement geehrt. Welche Schwerpunkte sie in ihrer Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten gesetzt haben, wie sich aus Ihrer Sicht die Situation für Menschen mit Behinderung verändert hat und welche Herausforderungen sie für die Zukunft sehen, schildern sie hier im Portrait.

Portrait Ursula Marquetant

30 Jahre ist es her, dass ihre Tochter Kerstin ihren ersten Tag in den Heidelberger Werkstätten in Hockenheim absolvierte – und ebenso lange engagiert sich Ursula Marquetant, 76, schon innerhalb der Lebenshilfe Heidelberg für die Belange von Menschen mit Behinderung. Ihr Anliegen von Anfang an: Aus Sicht der Mutter einer Tochter mit Behinderung als Sprachrohr zu dienen für alle Menschen mit Behinderung und deren Erfahrungen, Anregungen, Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge lohnend für alle einzubringen.

Zunächst im Elternbeirat der Werkstatt aktiv, wurde sie schon bald darauf vom damaligen Hockenheimer Werkstattleiter Roth angesprochen, ob sie sich eine Mitarbeit auch im – damals noch ehrenamtlichen – Vorstand der Lebenshilfe Heidelberg vorstellen könne. Seit 1995 wirkte sie in dem Gremium mit, aus dem später, in Folge der Einführung eines hauptamtlichen Vorstands vor vier Jahren der heutige Aufsichtsrat hervorging. Aus Altersgründen und um in ihrer Rolle Platz zu machen für eine neue Generation an Eltern und Angehörigen, gibt sie nun, nach 24 Jahren umfassenden Engagements, ihr Amt auf.

Eines ihrer besonderen Anliegen: Bei der Verwirklichung von Inklusion, die in den vergangenen Jahrzehnten gesellschaftlich große Fortschritte gemacht hat, nicht diejenigen zu vergessen, die vielleicht nicht so „fit“ sind und nach wie vor der besonderen Betreuung und Unterstützung bedürfen. Um die Inklusion auch für diesen Personenkreis weiter voranzutreiben, seien vor allem ausreichende Mittel notwendig. Diese Realität an die Politik und die Verwaltung zu vermitteln, liegt ihr besonders am Herzen. „Im Grunde wäre es eine sehr gute Idee, wenn jeder Dezernent einmal eine Woche lang wirklich vor Ort die Arbeit in den Einrichtungen der Lebenshilfe kennenlernen würde“, so Marquetant.

Gleichzeitig habe sich sehr viel getan in der Gesellschaft, was die Akzeptanz von Menschen mit einer geistigen Behinderung in der breiten Öffentlichkeit angehe. „Gewisse Berührungsängste wird es sicher noch ein paar Jahre geben, aber ich habe große Hoffnung für die Zukunft und denke, mit der heutigen jungen Generation, die Inklusion schon vom Kindergarten an kennenlernt, wird sich die Selbstverständlichkeit der Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen immer weiter vertiefen“, so Marquetant.

Auch persönlich blickt sie auf viele schöne Erinnerungen in der Lebenshilfe Heidelberg zurück: „Besondere Meilensteine waren für mich die vielen Modernisierungen und Baumaßnahmen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten durchführen konnten, um unsere Einrichtungen auf einen sehr guten Stand zu bringen. Und zu den schönsten Erlebnissen zählen natürlich auch alle Feste und Feiern, die im Laufe der Jahre stattfanden. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir hier insbesondere die immer sehr stimmungsvollen und bewegenden Weihnachtsfeiern des Wohnverbunds in der Rohrbacher Melanchthonkirche.“

Und, auch das ist ein Thema, das ihr wichtig ist, und – auch aus persönlichen Gründen – nahe geht: „Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten durch viele persönliche Erfahrungen mit anderen Bewohnern erfahren, wie sehr der Wohnverbund der Lebenshilfe Heidelberg den Menschen ein echtes Zuhause bietet. Ein Zuhause, auf das sich die Bewohner verlassen können und das jeden bestmöglich auffängt, auch wenn vielleicht den Eltern oder Angehörigen etwas zustoßen sollte. Seit zehn Jahren wohnt meine Tochter nun schon im Wohnhaus in der Freiburger Straße und dieses Wissen ist sehr beruhigend für mich, was die Zukunft angeht“, so Marquetant.

Portrait Peter Pfennigs

21 Jahre lang engagierte sich Peter Pfennigs, der im Dezember 72 Jahre alt wird, mit großem Engagement im Vorstand und im Aufsichtsrat der Lebenshilfe Heidelberg. Von Haus aus Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, hatte er Ende der 90er Jahre die Beratung der Organisation in einer juristischen Frage übernommen und zeigte sich schnell begeistert von der Vielschichtigkeit der Arbeit für Menschen mit einer geistigen und mehrfachen Behinderung.

„Ich hatte vorher kaum persönliche Berührungspunkte mit der gesamten Thematik, aber schon nach den ersten Erfahrungen, die ich mit der Lebenshilfe Heidelberg sammeln konnte, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich ehrenamtlich einzubringen“, so Pfennigs. „Nach über zwei Jahrzehnten sehr konstruktiver und angenehmer Zusammenarbeit ist es nun an der Zeit, den Weg frei zu machen für die jüngere Generation. Hierbei freut es mich insbesondere, dass zwei der Nachfolgerinnen junge Mütter von Kindern mit einer Behinderung sind und mit einem dritten neuen Aufsichtsratsmitglied nun auch zum ersten Mal ein Mensch mit Behinderung dem Gremium angehört.“ In den kommenden Jahren stehen bei der Lebenshilfe Heidelberg große Herausforderungen, Investitions-, Bau- und Modernisierungsvorhaben an, an denen weiterhin mit Hochdruck gearbeitet werden muss. „Es ist in jeder Hinsicht gewinnbringend, die Expertise von Angehörigen und die aus erster Hand gemachten Erfahrungen von Menschen mit Behinderung ohne Umwege in die Arbeit des Aufsichtsrats mit einzubringen“, so Pfennigs.

Als eine der großen Zukunftsaufgaben der Organisation sieht er es zudem an, auch weiterhin mit Nachdruck um ausreichende Mittel zu kämpfen, um allen Menschen bestmöglich gerecht werden zu können: „Gerade auch für schwer und mehrfach behinderte Menschen ist es von äußerster Wichtigkeit, dass die Personal- und Betreuungsschlüssel sich auch weiterhin nach deren  Bedarfen richten können und nicht zunehmend auf Menschen mit weniger Hilfebedarf zugeschnitten werden“, so Pfennigs.

Neben den vielen gemeinsam gemeisterten Herausforderungen werden dem Juristen vor allem die vielen bereichernden Momente in Erinnerung bleiben, die er gemeinsam mit den Menschen mit Behinderung in allen vier Einrichtungen der Lebenshilfe Heidelberg erleben konnte. „Sehr beeindruckt haben mich beispielsweise immer die Sommerfeste im Wohnverbund. Es war toll zu sehen, mit wie viel Freude, Fröhlichkeit und Offenheit die Bewohner miteinander umgehen und wie ungezwungen auch viele Nachbarn heute mitfeiern“. Dies sei nicht immer so gewesen, gerade in den Anfangsjahren habe er selbst noch miterlebt, wie ausgeprägt die Abwehrhaltung bei einigen Menschen aus der Nachbarschaft gewesen sei. „Umso schöner ist es für mich, dass ich auch miterleben konnte, welche Fortschritte in den letzten zwei Jahrzehnten erzielt werden konnten, was die gesellschaftliche Akzeptanz und die Inklusion der Menschen mit Behinderung angeht – eine Entwicklung, die sich hoffentlich weiter so fortsetzt“, so Pfennigs. 

Pressekontakt:

Katrin Kanellos
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lebenshilfe Heidelberg e.V.
Tel.: (06221) 339 23-13
E-Mail: katrin.kanellos(at)lebenshilfe-heidelberg.de

zurück